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Der Garten bin ich

Ein spannendes Buch über Gartengestaltung hat mir meine Freundin Silva (Gleichgesinnte) da geliehen. Die Autorin von „Beseelte Gärten“ schreibt über innere und äußere Gärten und vertritt die Theorie, dass Gärten die Persönlichkeit des Gärtners widerspiegeln. Oder es zumindest sollten. Wir würden uns nur wohlfühlen in einem Garten, wenn er unserem inneren Garten, also unserer Seele, entspricht. Nicht nur unser Charakter, auch unsere Erinnerungen spielen dabei eine große Rolle. Ich habe erst ein paar Kapitel gelesen, bin aber schon ins Grübeln geraten. Kann man aus meinem Garten wirklich Rückschlüsse auf meine Person ziehen? Der Gedanke ist mir zwar nicht neu (Mein Garten ist mein Herz), aber so eindeutig formuliert und begründet habe ich es noch nicht gesehen.

Wie präsentiert sich mein Garten? Vielfältig, bunt, gastfreundlich, tolerant, prinzipiell strukturiert, aber großzügig im Detail, fantasievoll, harmonisch, voll hübscher Orte und manchmal ein bisschen skurril. Es gibt offenherzige Einblicke und verborgene, abgeschiedene Winkel, geschwungene Wege und klare Grenzen. Weniges ist dem Zufall überlassen, aber keine Absicht wird auf die Spitze getrieben. Tatsächlich könnte ich mich selbst auch so beschreiben. Haben wir auch negative Eigenschaften? Na klar! Eigensinnig, hin und wieder chaotisch und zur Übertreibung  neigend trifft auf uns beide zu, leicht beleidigt, aber niemals nachtragend. Wir sind uns ganz schön ähnlich, mein Garten und ich.Der Garten ist mein Werk, in dem ich meine Träume auslebe. Klar, dass er so aussieht, wie ich die Welt gerne sehen würde. Natürlich fließen meine Erinnerungen in hohem Maße ein, etwa, wenn ich eine Blumenwiese anlege, die Pfingstrosen aus dem Garten meiner Großeltern hege und pflege und meinen alten Herrn erst umschneiden werde, wenn er zu einer Gefahr für Mensch und Tier wird. Meine Sehnsüchte, meine Gefühle und meine Fantasie haben mein kleines Paradies gestaltet und hören nicht auf, sich in jedes Projekt einzumischen. Auch wenn mein pragmatischer Geist philophisch ziemlich unbegabt ist: Ist es nicht ein schöner Gedanke, dass ich dem Garten meine Seele eingehaucht habe?

Nicht für jeden Gartenbesitzer, fürchte ich. Viele Gärten in meiner Umgebung sind so gesichtslos, dass sich hier bestimmt niemand verwirklicht hat. Diese grünen Einöden sind bloße Anhängsel an ein Haus und eine Terrasse, kein Ausdruck einer Persönlichkeit. Ich will für die Besitzer hoffen, dass sie sich einfach nicht für Pflanzen interessieren, sonst wären sie recht traurige Figuren. Hier versagt die Theorie beziehungsweise darf man sie nicht allzu wörtlich nehmen. Wer seine Hecke akkurat schneidet, muss nicht unbedingt ein hoffnungsloser Zwängler sein, und ein wildes Eck bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Gärtner ein chaotischer Faulpelz ist.

Wieder verändert sich mein Gartenbild. Als mein Nachbar von den Sichtachsen sprach (Wo man hinschaut), als ich über die Intelligenz der Blumen (Die g’scheiten Blumen) las und als ich meinen Garten durch die Linse mit fremden Augen sah, jedes Mal wandelte sich die Beziehung zu meinem Stück Erde ein bisschen. Jetzt weiß ich: Wenn ich auf meinen Garten stolz bin, bin ich auf mich stolz.

Eure Flora

Bunt und vielfältig - das bin ich

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