Der Pflanztisch
Schon seit Jahren träume ich von einem fixen Platz, wo ich bequem stehend meine Pflanzen umtopfen kann, wo meine Lieblingswerkzeuge versammelt sind und Töpfe und Erde ohne Schlepperei bereitstehen – einem Pflanztisch eben. Bisher scheiterte dieser Wunsch an dem größten Mangel meines Gartens – dem Platz. Doch als ich vergangenen Sommer nach einer Schmerzattacke in meinem Rücken (Oh Schreck!) ein wenig umdenken musste (Gartentagebuch 2025, 15. Mai), eröffnete sich plötzlich eine neue Möglichkeit. An die Mauer könnte ich einen Tisch platzieren, angenehm im Schatten des Marillenbaums, und die Erdsäcke darunter stellen. Ich begann im Internet nach geeigneten Tischen zu suchen, aber irgendwie kam es letztes Jahr nicht dazu. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden.
Viele Jahre hatte mich ein metallener Klapptisch begleitet, der noch aus meiner Kindheit stammte. Es war der Tisch unserer Terrassengarnitur, um den sich eine apfelgrüne Sitzbank und zwei Sessel in gelb und rot gruppierten. Erinnert ihr euch noch aus den Siebzigern an dieses Design aus Plastikschnüren, mit denen Metallrohre umwickelt waren und Sitzfläche und Lehne bildeten? Spaghetti-Sessel hießen sie und ich fand sie grässlich spießig (heute sind sie Vintage und Retro und kosten neu rund 200 Euro). Saß man im Badeanzug darauf, hatte man das Muster stundenlang auf Rücken und Oberschenkel. Wir entsorgten sie bald, sobald wir uns eine neue Terrassengarnitur leisten konnten, die Schnüre hingen auch schon ziemlich durch. Den Tisch behielten wir aber und bauten ihn bei Bedarf zum Kompost sieben und für Christians Grillereien auf. Das war ganz praktisch, nur war das Metalltrumm so schwer und unhandlich, dass wir uns jedes Mal beim Aufstellen die Finger einzwickten oder das Schienbein anhauten. Am Ende war er nur mehr für den Kompost brauchbar, weil ihn Christian nicht mehr in die Nähe zu Lebensmitteln bringen wollte. Er war nachhaltig verdreckt und rostig geworden und eines Tages wanderte er auf die Deponie.
Kaum war er weg, vermisste ich ihn. Zum Kompost sieben schleppe ich nun jedes Mal den kleineren unserer Terrassentische hinters Haus, um nicht gebückt arbeiten zu müssen, und Umtopfaktionen finden auf der Terrasse statt. Ein ungünstiger Platz, die schwarzen Flecken von Blumenerde und Kompost verunzieren unsere Terrasse zumindest bis zum nächsten starken Regenguss.
Meinen Vorschlag, mir zum Geburtstag einen ordentlichen Pflanztisch zu schenken, lehnte Christian entsetzt ab. Weiß er doch, wie lange ich schon nach dem PERFEKTEN Tisch suche und den zu finden, traute er sich keinesfalls zu. Soll er Laden haben oder nicht? Ist Metall, Holz oder Kunststoff witterungsbeständiger? Oder gleich eine Luxusvariante mit Dach? Vielleicht doch vorerst ein billiges Modell? Und plötzlich lösen sich alle Überlegungen in Luft auf: Mein Sohn hat beschlossen, sich neu einzurichten. Die Möbel, die er bei seinem Auszug aus unserer Wohnung mitgenommen hat, wollte er entsorgen, nur um seinen alten Schreibtisch aus der Schulzeit tat es ihm leid und er fragte mich, ob ich irgendeine Verwendung dafür hätte. Im ersten Moment verneinte ich, schließlich habe ich bereits den Zwilling seiner Schwester in der Wohnung untergebracht und noch einen Schreibtisch kann ich nun wirklich nicht… Da fiel mir der fehlende Pflanztisch wieder ein. Der Schreibtisch hat Metallfüße, ist höhenverstellbar und kann gekippt werden, was die Reinigung erleichtert. Er ist zwar nicht für den Außenbereich geschaffen, aber abgedeckt mit einem stabilen Plastiktischtuch könnte ich ihn weitgehend vor Regen schützen und im Winter kommt er halt ins Haus (keine Ahnung wohin, aber das schaffen wir schon). Ein paar Saisonen wird er schon durchhalten. Perfekt ist die Lösung nicht, auch nicht für die Ewigkeit, aber dafür gratis, ressourcenschonend und eine gute Gelegenheit zum Ausprobieren. Wenn der Tisch eines Tages unter den Witterungseinflüssen zusammenbricht, weiß ich vielleicht endlich aus Erfahrung, wie der perfekte Pflanztisch aussehen sollte.
Eure Flora