Es wird spannend
Ich wurde hellhörig, als der Freund meines Sohnes am Telefon von einem Schlauch UNTER dem Weg sprach. Bis zu diesem Moment war ich davon ausgegangen, dass die Wasserzufuhr oberirdisch verlaufen würde. Über den Weg hätte ich dann halt so eine Gummiabschrägung liegen, wir man sie von Kabelverläufen auf Veranstaltungen kennt. Doch sie meinten das ernst, versicherte mir mein Sohn wenig später. Die Guten! Platte aufheben, Schlauch drunter und Platte wieder hinlegen, haha! Die massiven Betonplatten hat noch mein Großvater gegossen und Zement dürfte in den Sechzigern sehr billig gewesen sein. Dieser Weg ist für die Ewigkeit gemacht, meinte vor vielen Jahren auch der Gartengestalter, als ich noch von einem Natursteinweg träumte (Es war einmal… Fortsetzung), und entfernte so wenig wie möglich davon.
Wir müssen uns treffen und alles in Ruhe besprechen, beschloss ich. Auch der Freund meines Sohnes hatte an mich genau so viele Fragen wie ich an ihn. Also saßen wir letzte Woche zu fünft beisammen, er, seine Freundin Victoria (Mit fremden Augen), mein Sohn, mein Mann und ich. Am Vormittag war ich noch in den Garten gefahren und hatte die Betonplatten fotografiert. Tatsächlich gibt es eine kleinere, genau bei der Wasserleitung, die sich vielleicht aufhebeln lässt. Dazu muss man zwar die Verbreiterung zum Staudenbeet hin wegnehmen, aber die hat sich im Laufe der Jahre ohnehin gesenkt und ich will sie entfernen. Rosa Nachtkerzen würden sich stattdessen großartig dort machen…
Ganz nebenbei erwähnte der Freund, dass man die Schläuche ja überhaupt nicht sehen werde. „Wie meinst du das?“, fragte ich erschrocken. „Willst du meine Beete aufgraben?“ „Nein“, versuchte er abzuschwächen, “ nur so fünf Zentimeter tief. Eh nicht dort, wo die Pflanzen sind, dazwischen.“ In meinen Beeten gibt es aber wenig bis gar kein „dazwischen“ (Unterwegs im Staudenbeet) und ich schnappte vor Entsetzen nach Luft. Ja gewiss, es schaut schöner aus und das Wasser ist im Erdreich effektiver und die Schläuche sind unterirdisch besser geschützt, aber in meinen Beeten herumgraben…? Vis-à-vis kugelte sich mein Sohn vor Lachen und keuchte: „Ihr seid soo lustig!“ Der strategisch-nüchtern planende Techniker und die überfürsorgliche Pflanzenglucke – da prallen Welten aufeinander und wahrscheinlich gaben wir wirklich ein komisches Duo ab. Ich versuchte mich zurückzunehmen, schließlich investiert der junge Mann eine Menge Zeit in die Planung und ich bin ihm sehr dankbar für seine Hilfe. Wenn ich in den Beeten die Grabarbeiten übernehme, wird es schon irgendwie ohne gröbere Schäden gehen. Vollends überzeugt war ich erst am nächsten Tag, als ich beim Spazierengehen in einer Grünanlage die Schläuche herumliegen sah. Es schaut wirklich nicht attraktiv aus, vor allem im Winter.
Leider ist jetzt mein Mann ziemlich unzufrieden. Sein ursprünglicher Plan hatte gelautet, die Jungs hinter meinem Rücken werkeln zu lassen und mir die fertige Bewässerungsanlage zu meinem Geburtstag (trara!) vorzustellen. Eine tolle Überraschung, die meine Tochter nichtsahnend ausgeplaudert hatte. Dass mir seine Idee nun schlaflose Nächte bereitet, wollte er keinesfalls und dass ich jetzt selber auch noch mitarbeite, schon gar nicht. Er hatte sich das doch so schön vorgestellt, eine Erleichterung auf Jahre hinaus und ich hab keine Arbeit damit! Freilich sieht er langsam ein, dass die Anlage ohne meine Mitsprache wohl von vorne bis hinten nicht gepasst hätte. Welche Bereiche bewässert gehören, weiß außer mir keiner so genau, er selbst am allerwenigsten.
Entschieden haben wir noch gar nichts, dazu treffen wir uns Ende März vor Ort. Dann wird eingekauft und rechtzeitig vor dem nächsten Urlaub steht oder besser liegt die Anlage dann. In den nächsten Wochen bereite ich die Beete vor, schneide alles zurück und säubere sie vom Unkraut. Dabei kann ich mir gleich überlegen, wo man gefahrlos graben kann. Den Fokus meiner Gedanken werde ich auf die sorglosen Urlaube und die vielen, vielen Gießstunden, die mir die fertige Bewässerung ersparen wird, legen und nicht darauf, ob eine Pflanze zu Schaden kommt. Und wenn wirklich was kaputtgeht, kann ich wieder in die Gärtnerei fahren…
Eure Flora