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Auf dem Fensterbrett

Unlängst las ich einen Artikel über die Lichtbedürfnisse von Pflanzen in Innenräumen. Was für das menschliche Auge akzeptabel in puncto Helligkeit ist, reicht Zimmerpflanzen oft nicht aus und ebensowenig den Wintergästen aus dem Garten. Es wird die Verwendung von Pflanzenlampen empfohlen, am besten computergesteuert, um Tageslicht möglichst realistisch abzubilden. Dann gilt es noch zu beachten, ob die Pflanzen rotes, blaues, weißes oder eine Mischung benötigen… An diesem Punkt habe ich aufgehört, mich für das Thema zu interessieren. Da ich nicht in einem Gewächshaus wohnen will, müssen sich die Pflanzen, was Licht, Wärme und Luftfeuchtigkeit betrifft, an meine Bedürfnisse anpassen. Schaffen sie das nicht, haben sie und ich Pech gehabt. Rabenmutter!

Die Pflanzen müssen sich damit abfinden, dass ich im Winter eine geheizte Umgebung bevorzuge, auch wenn das für sie zu warme, trockene Luft bedeutet. Im Gegenzug bin ich bereit, einige Fensterbretter zur Verfügung zu stellen, damit sie wenigstens halbwegs mit Licht versorgt sind. Auf dem Fensterbrett vor meinem Schreibtisch tummeln sich ein Ficus benjamina, ein  Weihnachtskaktus, ein Dickblatt und ein Flammendes Käthchen. Die halbverfaulten Stecklinge von meinen Buntnesseln habe ich am 1. Jänner mit dem Schwung des Neuen Jahres entsorgt, ebenso schweren Herzens eine Zyklame, die sich offensichtlich im Sommer zu Tode geblüht hat. Sie brachte zwar laufend neue Blättchen hervor, die jedoch winzig blieben und bald nach dem Austrieb wieder abstarben.

Überrascht hat mich das Flammende Käthchen. Ich schleppe es nun schon den zweiten Winter mit, im Sommer bekam es zwar neue Blätter, wollte aber partout nicht blühen. Ohne viel Hoffnung nahm ich es wieder mit in die Wohnung. Jetzt, mitten im Winter, hat die Kalanchoe jede Menge Blüten angesetzt, ich hoffe, sie gehen auch auf. Außerdem hat sich der unten kahle Stängel verdickt und rundherum (Luft-)Wurzeln ausgebildet. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Abschneiden und eintopfen? Da es zusätzlich von unten austreibt, kann ich es auch nicht gut tiefer einsetzen, damit die Wurzeln bedeckt sind. Vorerst habe ich beschlossen, die Blüte abzuwarten und dann zu entscheiden.

Ein Knalleffekt war auch der Schnittlauch, den ich im Sommer mehr aus Jux in hübsche Bierdosen eingesät habe. Da ich ihn aus den engen Gefäßen nicht mehr herausbrachte, habe ich ihn auf meinem Schlafzimmerfenster ins Freie gestellt, wo er in der Kälte erfroren ist. Vor ein paar Tagen habe ich alles bodennah zurückgeschnitten und die Dosen auf das Wohnzimmerfenster über einen Heizkörper gestellt. Binnen zwei (!) Tagen explodierten die Zwiebelchen völlig. Für die nächste Suppe können wir bereits ernten. Die Halme sind zwar dünn, aber sehr geschmacksintensiv.

Gemüsepflanzen oder Blumen auf dem Fensterbrett vorzuziehen, stößt bald an Grenzen. Erstens platzmäßig, denn mein Mann mault, wenn er vor jedem Lüften erst einmal die Fensterbretter abräumen muss, und zweitens zeigt sich bei den Sämlingen am deutlichsten, dass das Licht am Fensterbrett nicht ausreicht. Nach anfänglich zügigem Wachstum mutiert der Nachwuchs bald zu dünnen, langen Stielen, die dann auch im Beet keine kräftigen Stauden mehr werden. Finger weg und lieber Jungpflanzen aus der Gärtnerei!

Im Gartenhaus sind die kleinen Fenster das größte Problem. Meine geliebten Agapanthen haben heuer so viele gelbe Blätter wie noch nie, obwohl ich sie so nahe wie möglich an die Scheiben gerückt habe. Aber sie werden von Jahr zu Jahr dichter und damit kommt auch weniger Licht zu den Blättern. Bis zum Frühjahr ist sicherlich die halbe Blattmasse weg. Na solange sie blühen, soll es mir egal sein. Genau genommen MUSS es mir egal sein, denn eine Alternative hab ich nicht. Ein Fensterbrett ist von der Zistrose belegt, die als Immergrüne auch im Winter Licht braucht. Dipladenie, Fuchsien, Australische Schönranke, Wandelröschen etc. stehen in der zweiten Reihe und verlieren halt alle Blätter, ich kann’s nicht ändern. Mehr Fensterbretter braucht der Mensch!

Eure Flora

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