Das nächste Projekt
Nein, diesmal wird nichts umgegraben, kein Beet angelegt, nichts gepflanzt. Bei meiner neuen Idee geht es nicht einmal um Pflanzen, sondern um ein anderes wesentliches Element in meinem Garten: die Tierwelt.
Dass ich jedes Tierchen in meinem Garten willkommen heiße, ist ja schon mehrfach Thema gewesen. Obwohl – JEDES würde ich dann doch nicht unterschreiben. Auf Schnecken etwa würde ich gerne verzichten, ebenso auf Wanzen und Blattläuse, und Gelsen müssten auch nicht sein. Bei diesen Plagegeistern kommt schon ein wenig Mordlust auf. Die restliche Fauna lasse ich jedoch unbehelligt umherwandern. Ich erschlage keine Wespen, sauge keine Spinnen ein und verirrten Nachtfaltern im Haus stülpe ich ein Glas über und bugsiere sie sanft zurück in die Dunkelheit. Schlangen, Kröten, Molche, einst verabscheute Gefährten von Hexen und Zauberern, sind mir liebe Gäste, die die Sinnhaftigkeit meines Naturgarten beweisen. Sogar wenn der freche Fuchs durch den Garten streift, freu ich mich innerlich, auch wenn ich den übermütigen Kerl sicherheitshalber verscheuche.
Letzte Woche habe ich von einer Insektenzählung des Naturschutzbundes gelesen, bei der alle Interessierten mitmachen können. Citizen Science nennt man diese Methode, bei der Laien Daten zusammentragen. Experten helfen bei der Bestimmung und bekommen eine Übersicht über die Artenvielfalt im Land. Das brachte mich auf den Gedanken, meine eigene Zählung durchzuführen, nicht auf Insekten beschränkt, sondern alle Sichtungen von Tieren zu dokumentieren. Nicht für die Forschung, sondern für mich, um einen Überblick über die Artenvielfalt in meinem Garten zu bekommen. Ameisen werde ich freilich nicht zählen und Regenwürmer auch nicht, aber sie gehören auf die Liste des nächsten Sommers (sogar die Schnecken – grrr – gehören auf die Liste). Die Dokumentation ist eine gute Gelegenheit, mich mit den verschiedenen Arten einer Spezies zu beschäftigen. Ein kleines Beispiel? Regenwurm ist nicht gleich Regenwurm. Tauwürmer und Kompostwürmer sind die häufigsten in unseren Gärten, es könnten aber auch noch andere auftauchen. Teich- oder Laubfrosch, Zaun- oder Smaragdeidechse, Ringel- oder Äskulapnatter und ist das wirklich eine Erdkröte? So genau habe ich das noch nie hinterfragt, die Aufgabe fasziniert mich aber jetzt schon.
Ganz lückenhaft ist mein Wissen über Wildbienen. Erd- und Steinhummeln kann ich zur Not unterscheiden, roter Pelz deutet auf Mauerbienen hin, die Blauschwarze Holzbiene kann man gar nicht verwechseln, aber damit sind meine Kenntnisse schon erschöpft. Ich sehe viele kleine Bienen auf den Blüten, bestenfalls halb so groß wie eine Honigbiene, benennen kann ich sie nicht. Es gibt Glanzbienen, Pelzbienen, Filzbienen, Furchenbienen, Blattschneiderbienen, Hornbienen, Sandbienen… Die Unterscheidung zu Schwebfliegen ist auch nicht einfach. Steht sie in der Luft, nehme ich an, dass es sich um eine Schwebfliege handelt, aber auch da gibt es unzählige Arten. Alles werde ich nicht bestimmen können, aber bestimmt eine Menge lernen. Als erstes werde ich mir einen guten Wildbienenführer besorgen und vielleicht eine Becherlupe. Die Biester bleiben ja nie lange genug sitzen, bis ich sie identifiziert habe.
Dann sind da noch die Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken, Libellen, Vögel, Amphibien, Reptilien und das ein oder andere Säugetier. Es wird sicher eine lange EXCEL-Liste werden und bei seltenen Gästen schreibe ich mir Datum und Ort dazu. Nächstes Jahr kann ich dann vergleichen, wer geblieben und wer dazugekommen ist. Das wird ein spannender Sommer und wer weiß? Vielleicht benenne ich meinen Blog um: Ich und 1000 Tiere?
Eure Flora