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Die Bewässerungsanlage

Sie liegt mir im Magen, die automatische Bewässerung. Jahre-, ja jahrzehntelang habe ich mich dagegen gewehrt, einem Computer das Gießen zu überlassen. Bei meiner Vielfalt an Bereichen, den unterschiedlichen Bedürfnissen meiner Lieblinge geht das gar nicht, habe ich immer gedacht und behauptet. Aber ich werde älter, der Gießaufwand wird, nicht zuletzt wegen der immer trockeneren Sommern, stetig mehr und stößt schön langsam an meine Grenzen. Gewiss, ich besuche gerne mit der Gießkanne meine Beete, gebe dem ein Schlückchen, dem eine Kanne, lasse die Trockenkünstler links liegen. Aber meine Rückenprobleme im vergangenen Jahr (Oh Schreck!) haben mir bewusst gemacht, dass ich mich nicht ewig so abschleppen kann. Die tolle neue Gießkanne (Neues Jahr, neues Glück) ist für ein Metallmodell gar nicht so schwer, mit 10 l Inhalt allerdings für meine Kräfte nicht geeignet, den gesamten Garten zu bewässern.

Hinzu kommen unsere Urlaube (Endlich reisen!), die wir bei aller Liebe keinesfalls vom Garten bestimmen lassen wollen. Meine Tochter steht mittlerweile voll im Berufsleben, ich bin froh, wenn sie hin und wieder einspringt, als Dauersklave für meine Urlaube will ich sie nicht sehen (meinen Sohn brauche ich gar nicht fragen). Also habe ich mich mit dem Gedanken an einen Garten voller Tropfschläuche abgefunden und angefreundet. Als ein Freund meines Sohnes sagte, er hätte bereits so eine Anlage aufgestellt und mir seine Hilfe bei dem Projekt zusicherte, war es entschieden. Alleine hätte ich mich doch nicht über die ganze Technik getraut.

Demnächst geht es ans Planen. Wo brauche ich Schläuche, was muss ständig feucht gehalten werden? Reicht ein System oder brauche ich zwei? Wie schaut es mit dem Wasserdruck aus? Wie komme ich von der Wasserleitung über den Weg? Kann ich dann den Hahn ganz normal benutzen oder ist er durch den Computer blockiert? Gibt es Zwischenstücke ohne Löcher für Abschnitte, die kein Wasser benötigen? Muss ich die Schläuche jeden Winter entfernen oder sind sie frostbeständig? Gibt es auch eine Lösung für meine Kübelpflanzen? Welches System ist das beste? Wie läuft das mit den Feuchtigkeitssensoren? 1000 Fragen schießen mir durch den Kopf und alles geht bei mir drunter und drüber.

Schon die erste Frage wirft gewaltige Probleme auf. Während Phlox und Strauchhortensie ständig nach Feuchtigkeit lechzen, fühlen sich die benachbarten Kugeldisteln bei Trockenheit am wohlsten. Dort, wo Tulpenzwiebeln im Boden schlummern, sollte nicht zu tief gewässert werden, sonst faulen die Zwiebeln. Also etwa im Schattenbeet, wo das Lungenkraut verschwindet, wenn es ihm zu trocken ist, und die Farne bei Hitze darben, wohingegen Elfenblumen und Bergenien keiner Aufmerksamkeit bedürfen. Und das Beet ist voll mit Wildtulpen und Buschwindröschen. Punktuell gießen wie bisher geht dann nicht mehr. Soll ich die Bewässerung bis zu den Himbeeren ziehen, die meist Stiefkinder sind? So manche Beere hängt vertrocknet am Strauch, weil ich vergesse, dass hinter dem Haus auch durstige Wurzeln sind. Im Storchschnabelbeet gibt es Sorten, die frischen Boden bevorzugen und zwei-, dreimal die Woche gegossen werden müssen, und andere, die ich nie beachte. Gott sei Dank habe ich diese Sorten voneinander getrennt gepflanzt, man könnte also nur das halbe Beet bewässern. Nur im Bauerngarten ist die Sache ziemlich klar, da lechzt alles nach Wasser. Die Flachwurzeln der Eberesche saugen ohnehin den Boden aus, ein Zuviel gibt es da nicht.

Bei diesen Entscheidungen kann mir niemand helfen, notfalls muss ich einiges umpflanzen, was mit dem Konzept gar nicht vereinbar ist. Bei der Umsetzung vertraue ich voll und ganz dem Freund meines Sohnes, der schon bei der Sichtschutzwand im Feuerdornbeet Großartiges geleistet hat. Wenn er sagt, er kennt sich aus, dann tut er das auch. Trotzdem frage ich mich, ob es wirklich jedes Frühjahr ein Großprojekt sein muss. Wahrscheinlich schon. Wenn ich einmal nichts auf die Beine stelle, wird mir sicher fad.

Eure Flora

Gott sei Dank habe ich einen genauen Gartenplan!

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