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Einfach nur wow!

Was ist mir da nur eingefallen? Im Mai für zwei Wochen wegfliegen. Im MAI! Also in dem Monat, wo die meisten Pflanzen in die Höhe schießen, Knospen ansetzen, blühen. Wo es jeden Tag eine neue Sensation gibt. Wo das Gras so schnell wächst, dass man mit dem Mähen nicht nachkommt. Und wenn es ein heißer Mai ist, muss man gießen, gießen, gießen, sonst ist die Saison vorbei, das Wachstum wird eingestellt, die Knospen verkümmern, und die Blüte ist gleich wieder vorbei.

Meine Tochter hörte sich geduldig meine Instruktionen an und versprach ihr Bestes. Trotzdem fiel mir der Abschied von meinem Garten unendlich schwer. Noch während des Fluges überlegte ich hin und her, was ich meiner Tochter vergessen hatte zu sagen. Erst in der fremden Umgebung auf Gran Canaria fielen der gewohnte Alltag und damit die trüben Gedanken von mir ab und ich nahm es locker hin, dass der Garten zwei Wochen ohne mich überleben würde. Außerdem berichtete meine Tochter von Regen und Gießaktionen, also machte ich mir keine Sorgen.

Gestern sind wir heimgekommen und ich bin natürlich noch am Abend in meinen Garten gesaust. Und wie der Garten ohne mich überlebt hat, wow! Die Rosen in voller Blüte, die Storchschnäbel auf dem ersten Höhepunkt, der Pfirsichbaum hat ordentlich zugelegt, alle Stauden gefühlt doppelt so hoch, die Teichumrandung bunt und üppig, die Tannenwedel, die ich schon aufgeben wollte, ragen plötzlich grün aus dem Wasser, im Sumpf blüht alles durcheinander, die ersten Erdbeeren sind schon reif… „Was hast du mit dem Garten gemacht?“, fragte ich mein gutes Kind, das erleichtert daneben stand. Ich bin überwältigt, welch unglaubliche Wandlung in nur zwei Wochen vor sich gegangen ist. Freilich habe ich die täglichen Fortschritte verpasst, über die ich mich so freuen kann, aber dafür habe ich jetzt die geballte Pracht auf einmal. Wow!

Wie immer gibt es einen Wermutstropfen. Für den gemauerten Teich habe ich voriges Jahr eine besondere Iris mit dem tollen Namen „Spirit of Khaleb“ gekauft. Leider war sie zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich verblüht, sodass ich ihre Schönheit (weiß und gelb, mit dunklem Fleck) nur mehr erahnen konnte. Als sie heuer Knospen in die Höhe schob, konnte ich es kaum erwarten, dass sie sich öffneten. Sie öffneten sich natürlich nicht, obwohl ich ihnen tagelang gut zuredete. „Ich werde meine Iris verpassen“, jammerte ich meiner Tochter vor, „die blüht eh nur so kurz!“ „Ich schick dir ein Foto“, meinte sie gelassen. Da ich kein Foto bekam, dachte ich, das gute Stück hätte sich Zeit gelassen bis zu meiner Rückkehr. Nichts da. Nur ein brauner vertrockneter Stängel erwartete mich. „Ach, DAS war die Iris“, sagte meine Tochter, „ja, die war schön.“ Es war meine Schuld, „Iris“ ist ja nicht dasselbe wie „Rose“ oder „Tulpe“ (wobei es sogar Menschen gibt, die diese beiden nicht erkennen). Heißt es halt ein Jahr warten.

Jetzt genieße ich einmal meinen Garten, mähe das Gras, rupfe das Unkraut und schneide das Verblühte ab. Und am Pfingstmontag fahren wir wieder für zwei Wochen weg. Was ist mir da nur eingefallen? Im JUNI!

Eure Flora

Pfingstrose - was für eine Pracht
Deutzie
Taubenskabiose, Bartfaden und Wintersteckzwiebel
Strauchrose "Ferdinand Pichard"
Rose "The Pilgrim" und Storchschnabel "Nimbus"
Die verpasste Schönheit

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