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Einwintern

Zugegeben, ich hasse es.

Wenn wir erst einmal wieder in der Wohnung sind, verliert der Garten schnell an Bedeutung für mich. Der Fokus richtet sich auf Einladungen und geselliges Beisammensein, das Wiederentdecken meiner Bücher und Schallplatten, heuer auf den Wohnungsumbau, da durch den Auszug unserer Tochter ein Zimmer frei geworden ist. Durch die kürzeren Tage lohnt es sich nicht mehr, nach dem Büro noch hinzufahren, also bleibt nur das Wochenende für die anfallende Herbstarbeit. Viel mache ich ohnehin nicht mehr, ein bisschen Winterschutz für die Sensibelchen, die Wasserpflanzen abschneiden (brr, kann Wasser kalt sein), die Rosen anhäufeln und basta.

Aber ein großer Brocken steht jedes Jahr an und das heißt schleppen, schleppen, schleppen. Die Liegen, die Tische, die Sessel, die Kübelpflanzen, die Griller, die Terrassenfliesen von meinem Liege- und meinem Kaffeehausplatz, das Eckregal von der Terrasse, die gesamte Gartendeko, Rasenmäher, Schläuche und Gartendusche, alles wandert ins Haus. Leider nicht von alleine. Auch logistisch ist es eine Herausforderung, alles in dem winzigen Haus so zu schlichten, dass die Überwinterungspflanzen genug Licht kriegen, das Fahrrad nicht umfällt, der Rasenmäher unter dem Tisch zu stehen kommt und – der Weg zu allen Wasserhähnen frei bleibt für den Installateur, der als Letzter die Leitungen durchpustet.

Installateur, höre ich dich, lieber Leser, liebe Leserin, verwundert fragen, das kann man doch selber machen. Man vielleicht, wir nicht. Herbst für Herbst hat sich mein armer Mann abgeplagt, sorgfältigst die Leitungen entleert, Salz in den Geschirrspüler und Frostschutzmittel ins Klo eingefüllt, Duschkopf und Siphon abgeschraubt. Frühjahr für Frühjahr spritzte es aus undichten Schläuchen und Ventilen, trat Wasser aus der Kloschüssel aus oder war die Pumpe des Geschirrspülers kaputt. Da Christian alles ist nur kein Handwerker, gestaltete sich das Aufdrehen des Wassers Jahr für Jahr zur unendlichen Geschichte, mit unzähligen Baumarktbesuchen (weil er selten auf Anhieb das richtige Ventil oder die richtige Dichtung kaufte), sehr vielen Flüchen und zwei bis drei versauten Wochenenden. Wenn gar nichts mehr half, kam dann doch der Installateur. Nach 20 Jahren hatte ich das Drama satt und beschloss ein für allemal, zum Abdrehen und Aufdrehen den Profi zu holen. Seither ist unser Leben bedeutend entspannter.

Die ungeliebte Einräumerei war heuer gar nicht so schlimm. Meinem Mann hat der Orthopäde bis Weihnachten Ruhe verordnet, um ein schmerzhaftes Knochenmarksödem auszuheilen. Unser Sohn erklärte sich bereit, seinen Samstag Vormittag zu opfern und packte mit an. Ruckzuck haben wir beide in drei Stunden alles winterfest gemacht. Und nebenbei über Gott und die Welt geplaudert, wozu wir seit seinem Auszug vor einem Jahr ohnehin viel zu wenig Zeit haben. Weil alles so überlegt und friedlich abgelaufen ist, habe ich dreimal den Garten kontrolliert, ob wir wirklich nichts vergessen haben, denn das Haus sieht gar nicht so vollgestopft aus wie sonst. Passt schon, meinte er, wir sind halt toll. Sind wir. Hoffentlich hilft er mir im Frühling auch wieder…

Eure Flora

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Roman Bartha

    Hallo, freue mich immer wieder von Dir/Euch zu lesen … wir sind zwar nicht so begeisterte Gärtner, aber arbeiten trotzdem viel in unserem Garten und Vieles ist uns nicht fremd…
    mein größtes Problem seit drei Jahren sind die Wühlmäuse die meinen Rasen Jahr für Jahr mehr in eine Mondlandschaft verwandeln… ;-)…
    Christian wüschen ich baldige Besserung…. Liebe Grüße Der grüne Daumen Roman

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