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Prost!

In geselliger Runde ernte ich stets ungläubiges Staunen, wenn ich davon rede, dass es im Sommer für mich schwieriger ist abzunehmen (was bei mir leider ein Dauerthema ist) als im Winter. „Aber geh, grad im Sommer?! Da isst man doch eh nur Salat oder was Leichtes!“ Abgesehen davon, dass es mein Mann meisterhaft versteht, auch einen Salat oder etwas Leichtes mit ein paar Sößchen, mit Kräuterbutter bestrichenen Grillbroten und der reichlichen Verwendung von Speckwürfeln in etwas Schweres zu verwandeln, sind es eher der vermehrte Durst und die Getränke, die den Sommer kalorienreich machen.

Seit vielen Jahren hat Christian in unseren Sommerurlauben die „Schlürfstunde“ eingeführt. Das bedeutet, dass wir täglich um 16.00 Uhr sämtliche Aktivitäten wie Planschen, Lesen oder Zehen im Sand vergraben einstellen und zur nächsten Strandkneipe pilgern, um einen etwas verfrühten Sundowner einzunehmen, meist ein Bierchen. Oder zwei. Wobei Christian, sonst ein Fremdsprachenmuffel sondergleichen, in sämtlichen Sprachen das richtige Wort für das einem Krügerl entsprechende Gebinde kennt und perfekt aussprechen kann. Bei der Anzahl kann man Finger hochhalten und nach drei Tagen stellt uns der Kellner sowieso ungefragt Nachschub hin. Wir haben noch nie nein gesagt.

Da Garten ja fast ein bisschen wie Urlaub ist, wird auch hier der Ruf nach der Schlürfstunde immer wieder laut. Schließlich haben wir den ganzen Tag Wasser, Buttermilch und Fruchtsäfte geschlempert, am Ende des Tages will man doch etwas – Geistigeres. Und Hand aufs Herz, gibt es nach getaner Gartenarbeit etwas Schöneres als ein kühles Bier? Da in der Hitze gefühlt die Hälfte im Glas verdunstet, bleibt es selten bei einem. Manchmal lechzt die Gärtnerseele nach etwas Abwechslung, hier bietet sich zum Beispiel ein Aperol an. Oder Christian hat vorausahnend einen klitzekleinen Topf Bowle angesetzt. Zum Essen dann ein Glas Wein, besonders wenn es Fisch gibt. Wir essen oft Fisch. Nach dem Essen bleibt man in der lauen Sommernacht auf der Terrasse sitzen und natürlich nicht auf dem Trockenen. Wäre doch schade um die angebrochene Flasche Wein. War das Essen allzu üppig, lässt der Wunsch nach einem Gläschen Grappa nicht lange auf sich warten. Wir essen oft allzu üppig.

A propos üppig: Unsere Grilleinladungen erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit und auch bei diesen Anlässen ist die Kalorienzufuhr überdurchschnittlich, sei es in fester oder flüssiger Form (wieso oder, und wäre passender). Praktischerweise bringen die Gäste kleine Aufmerksamkeiten mit, unserem Ruf entsprechend flaschenweise, sodass wir für die nächsten lauen Sommerabende etwas zum dringend Verkosten haben. Oder wir verkosten gleich.

Wer uns nun für hoffnungslose Alkoholiker hält, liegt völlig daneben. Wir sind Genussmenschen und stehen dazu. Prost!

Eure Flora

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